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Emily

Ich bin das vierte von sieben Kindern. Mein Vater arbeitete als Schweißer, aber es reichte eigentlich nie aus für uns neun.

Also stand meine Mutter noch vor dem Hahnenschrei auf und bereitete kleine Gerichte zu, die sie anschließend auf der Hauptstraße verkaufte. Hatte ich keine Schule, half ich ihr. Manchmal versuchten wir auch mit dem Handel von kleinen Mengen Gemüses unsere Kasse zu füllen. So kamen wir über die Runden, aber schon früh war mir klar, dass meine Eltern mich nicht auf eine weiterführende Schule schicken könnten. Also fasste ich all meinen Mut zusammen und meldetet mich zum Test und Gespräch mit den Marienschwestern an. Der Andrang war riesig, hunderte standen mit mir in der Schlange. Das Unglaubliche geschah, ich bekam einen Platz!

Wie habe ich diese Jahre genossen. Ich war begeistert in der Tanzgruppe und durfte im letzten Schuljahr sogar als „Helping Sister“ den Neulingen einiges beibringen. Als ich meinen praktischen Ausbildungsgang wählen musste, habe ich das Fach „Essen und Trinken“ gewählt. Wir haben gelernt, wie man das Essen anrichtet, richtig serviert, ein Buffet zusammenstellt und aufbaut und wie man Kundenreklamationen umgeht. Das machte mir Spaß und ich war auch gut, deshalb vertrat ich meine Schule bei einigen Wettbewerbe und erhielt als Beste Schülerin sogar eine Medaille.

Mit gerade einmal 16 Jahren verließ ich die Schulen der Schwestern und fand sofort eine Anstellung in einem Ausbildungscenter für Bedienungen. Anschließend konnte ich als freie Beraterin einen Tagessatz von 800 philippinischen Pesos verdienen, dreimal so viel wie der damalige Mindestlohn! Später habe ich dann in verschiedenen Firmen gearbeitet und landete schließlich im Einkauf eines Großhändlers. Vor zwei Jahren habe ich den Sprung gewagt zu einer neu gegründeten Firma für Maschinenbau in Cavite. Der Chef hat mir diesen Job zugetraut und so bin ich mit meinen gerade einmal 25 Jahren für den gesamten Einkauf verantwortlich.

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Es macht mir Spaß, auch weil hier viele ehemalige Schützlinge der Schwestern Maria arbeiten und wir den Sprung aus der Armut geschafft haben. Ich bin dankbar für die vielen guten Dinge, die mir in meinem Leben passiert sind.