Gabriella

Gabriella

Die 13 jährige Gabriella sitzt am Tisch mit den beiden Besuchern aus Europa. Sie ist im ersten Jahr in der Villa de las Niñas in Chalco und sichtlich nervös, weil ihre Mutterschwester sie zu einem kurzen Interview mit den Gästen gebeten hat.

Zuerst mit leiser Stimme und schüchtern beantwortet sie die kurzen Fragen, die eine Marienschwester übersetzt. Doch mit zunehmender Zeit wird ihre Stimme kräftiger, werden ihre Antworten länger, redet sie sich manches von der Seele.

Nach ihrem ersten Eindruck gefragt, als sie zur Villa de las Niñas in Chalco kam antwortet sie schnell. Es ist ein sicherer Ort! Als älteste Tochter musste sie sich schon früh um das Haus und die jüngeren Geschwister kümmern, während die Eltern versuchten Geld zu verdienen. In der Saison als Erntehelfer oder als Straßenverkäufer von Getränken.

Mein Vater kam oft betrunken nach Hause und schlug meine Mutter und schließlich auch uns Kinder. Wieder und wieder passierte es. Meine Mutter zeigte ihn an und er kam vorübergehend ins Gefängnis. Sein Vater holte ihn wieder raus und beschuldigte meine Mutter, ihren Mann zu verleumden. Und so ging der Teufelskreis immer weiter. Die Mutter schickte die Kinder fort, wenn sie ihren Mann betrunken nach Hause kommen sah. Sie wollte sich trennen, aber er fand sie immer wieder.

Meine Mutter wollte immer das Beste für uns Kinder. Und so traf sie die schwere Entscheidung mich wegzuschicken, zur Schule der Marienschwestern erzählt Gabriela weiter. Sieben Stunden sind es mit dem Überlandbus bis zur neuen Schule, die Gabriela jetzt besucht. Englisch und Geografie sind ihre Lieblingsfächer. Sie liebt Musik und singt gerne im Schulchor mit. Die Grundlagenkurse in Kochen und Buchhaltung hat sie belegt und findet auch daran Gefallen.

Wenn ich mit der Schule fertig bin möchte ich in einem Büro in der Stadt arbeiten und mit dem Geld meine Mama und meine Geschwister unterstützen. Ich bin dankbar für die Schule hier, dass ich ein eigenes Bett habe und sicher bin.