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Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Mit diesen Worten eröffnete die Bezirksbeauftrage von Kisarawe, Frau Jokate Mwegelo, am 22. August 2019 die erste Heimstätte der Marienschwestern in Tansania. Die neue Schule in der Pwani Region bietet zunächst 153 Mädchen aus ärmsten Verhältnissen einen Platz. Aus dem ganzen Land stammen die Schülerinnen des ersten Jahrgangs, die seit Mai 2019 schon bei den Schwestern leben und lernen. Sie alle haben das Elend der Armut am eigenen Leib erleben müssen.

 

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Alle Schützlinge sind sieben Jahre in die Grundschule gegangen. Bei Klassen von bis zu 100 Schülern, manchmal mit nur vier Schulbüchern pro Klasse, oft unzureichend ausgebildeten Lehrern kann man die Qualität der staatlichen Schulen wohl als niedrig bezeichnen. Das mussten auch die Schwestern erleben, als bei den ersten Klassenarbeiten in der neuen Schule eine hohe Anzahl von Mädchen nicht mal ein „ausreichend“ erreichten. Bekanntermaßen ist aller Anfang schwer und so erging es auch den Schützlingen der Schwestern. Auf der weiterführenden Schule ist Englisch die Unterrichtssprache. Doch nur die wenigsten beherrschen diese Sprache in dem geforderten Maße. Da mussten Lehrer und Schwestern viele Extrastunden an Nachhilfe geben. Doch die Mädchen sind wissbegierig und haben sich in den ersten Monaten prächtig entwickelt.

 

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Sie erhalten die Chance, eine weiterführende Schule ohne Schulgeld besuchen zu können. Aber der Ansatz der Schwester umfasst ja nicht nur die klassischen Schulfächer wir Mathematik, Chemie, Biologie oder Englisch. Die Ausbildung in technischen Berufen qualifiziert die Mädchen für den lokalen Arbeitsmarkt, soll ihnen später ein gutes Einkommen sichern und ein Leben außerhalb der Armutsviertel ermöglichen.

Drei ausgewogenen Mahlzeiten am Tag, ein sicheres Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln: Dafür stehen die Schwestern ein. Abgerundet wird das Schulprofil vom Vorleben und der Vermittlung christlicher Werte. Die Schwestern schicken niemand weg, der kein Christ ist. Trotzdem erwarten sie, dass alle Schützlinge an den geistlichen Besinnungszeiten und am Studium der Bibel teilnehmen. Darum wissen alle Eltern der Mädchen und haben zugestimmt.

Kaum war die Einweihung beendet, haben die Bauarbeiter wieder das Kommando übernommen. Denn es gilt das fünfstöckige Hauptgebäude der Schule zu bauen. In einem Jahr soll es fertig sein und später einmal mehr als 650 Mädchen einen Platz bieten. Es ist ein ehrgeiziger Plan der Schwestern, der ohne die großzügige Unterstützung so vieler Spender aus Übersee niemals möglich werden kann.

 

Die große Geburtstagsfeier am 15. August

Es ist ein ganz besonderer Tag in den Heimstätten der Schwestern. Deshalb beginnt er auch mit einer feierlichen Messe, anschließend gibt es ein ausgiebiges Frühstück. In allen Räumen ist die gespannte Unruhe zu spüren. Ganz besonders sind es die neuen Kinder, die diesen Tag noch nie erlebt haben, sie platzen fast vor Ungeduld.

Nach dem Frühstück feiert zunächst jeder der Familien für sich alleine. Als Höhepunkt überreicht die Mutterschwester jedem Kind das persönliche Geschenk. Ein Paar Turnschuhe, ein T-Shirt, ein kleiner Rucksack oder eine wärmende Jacke sind schnell ausgepackt. Dabei haben die Schwestern eine lange Liste mit praktischen und zugleich persönlichen Dingen erstellt, die benötigt werden. Selbstverständlich wird dabei auch nach dem jeweiligen Land und dem Alter geschaut. Auf den Philippinen braucht es keine wärmende Jacke wie in Mexiko oder Guatemala.

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Die Schwestern packen die Geschenktüten selbst und haben viel Freude dabei.

Wenn alle Geschenke bestaunt sind, stehen gemeinsame Spiele in der jeweiligen Familie auf dem Programm. Hier lassen die Schwestern ihrer Kreativität freien Lauf und in kleinen Wettbewerben erweist sich die Geschicklichkeit als ganz wichtig. Der Höhepunkt des Mittagessens ist der Nachtisch: Es gibt für jeden eine Portion Eis.

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Jedes Kind bekommt seine Geschenktüte, mit einem Gruß aus Übersee.

Sind die Teller gespült und die Tische geputzt geht es nach draußen. Auch hier gibt es wieder einige Spiele und gemeinsame Vorführungen der einzelnen Jahrgänge. In jedem Jahr wetteifern die Schüler (und auch die Schwestern), welche Aktion am besten gefällt, wann der Applaus am größten ist.

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Als kleine Zwischenmahlzeit am Nachmittag werden dann die großen Torten angeschnitten und jedes Kind bekommt ein ordentliches Stück.

Nach dem Abendessen treffen sich nochmal alle Schützlinge in der Turnhalle. Ein kurzweiliges Bühnenprogramm haben die einzelnen Lehrer und Schülergruppen vorbereitet. Musikalisches wird zum Besten gegeben, lokale Tänze werden präsentiert und zum Abschluss stehen auch die Schwestern auf der Bühne. Ihr Habit wird durch eine bunte Kordel oder eine Ansteckblume verziert. Sie singen und tanzen züchtig und dennoch voller Hingabe.

Und dann ist der schöne Tag schon fast wieder zu Ende. Um 21.30 Uhr wird das Licht in allen Räumen gelöscht und Nachtruhe kehrt ein. Während die Kinder in ihren Betten noch über den Tag nachdenken hat uns Schwester Elena Belarmino die folgenden Zeilen geschickt:  

„Wir sind von Herzen allen Spendern dankbar, die unseren Schützlingen die Möglichkeit geben, an diesem speziellen Tag ihren Geburtstag zu feiern und wirklich glücklich zu sein. Vielen Dank für die treue Unterstützung unserer Arbeit.“

Völlig überraschend verstarb Schwester Michaela Kim am 28. März 2019

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Zum 50. Mal hatte sich Schwester Michaela zur Erneuerung ihrer Gelübde für ein paar Tage zurückgezogen, als das Herz nicht mehr schlagen wollte.

Abends zuvor klagte sie über Schmerzen in der Schulter, bekam ein Schmerzmittel und verbrachte eine ruhige Nacht. Morgens fühlte sie eine große Müdigkeit und wollte später am Tag einen Arzt konsultieren. Dazu kam es aber nicht mehr, um 8.40 Uhr hörte ihr Herz auf zu schlagen.

Am 30. März um 10 Uhr versammelten sich die Marienschwestern und hunderte ehemaliger Schützlinge zur Trauerfeier von Schwester Michaela Kim, die in der Turnhalle der Boystown von Pusan stattfand. Nach der Messe begleiteten sie sie auf dem Weg zur letzten Ruhestätte.

Eingeleitet wurde die zutiefst bewegende Messe mit einer Bildpräsentation über die Stationen ihres Lebens und den Worten:

   Unsere Herzen sind betrübt, weil Du uns verlassen hast,

   aber unser Geist erfreut sich an dem, was Du hinterlassen hast:

   Es ist Deine Liebe, die bleibt.

   Hingebungsvoll und standhaft warst Du uns ein Vorbild

   in Deinem Dienst für die Armen und Schwachen.

   Demütig, bescheiden und treu hast Du die Kongregation

   nach dem Tod von Pater Schwartz geleitet.

   Wir werden Dich nie vergessen, Du wirst in unseren Herzen weiterleben.

   Jetzt ruhst Du in Gottes liebender Umarmung. Ruhe in Frieden!

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16 Jahre stand Schwester Michaela als geistliche Leiterin an der Spitze der Schwesternschaft. Neue Heimstätten entstanden in Guadalajara (Mexiko), in Guatemala-Stadt und in Brasilien eröffneten die Schwestern Heimstätten für Mädchen und Jungen. Die ersten Schritte für eine Girlstown in Honduras leitete sie ein.

Ihre Schützlinge spürten schnell, dass sie ein Herz für jeden Einzelnen hatte, dass sie offen für deren Schicksale und Nöte war.

Die Satzung des Ettlinger Vereins machte sie auch zur Vorsitzende des Deutschen Vorstands. Während dieser 16 Jahre kam sie zu unzähligen Besuche nach Ettlingen, stand Mitgliedern, Förderer und Freunden, aber auch Kritikern Rede und Antwort.

Wir werden sie vermissen!

Tansania – Der Grundstein ist gelegt

Am 22. Oktober 2018 waren rund 200 Gäste versammelt, um der feierlichen Grundsteinlegung der ersten Heimstätte der Marienschwestern in Tansania beizuwohnen. 2.000 Mädchen aus armen Verhältnissen sollen hier einmal leben und lernen. Das bewährte Konzept der >Sisters of Mary<, weiterführende Schulbildung und praktisches Lernen in Lehrwerkstätten, wird nun auch in Afrika umgesetzt.

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Kardinal Polycarp Pengo (Erzbischof von Dar es Salaam), Schwester Maria Cho (Oberin der >Sisters of Mary<) und zwei Vertreter der regionalen Verwaltung durchschneiden symbolisch das Band zum Beginn der Bauarbeiten.

Die Pläne der Schwestern sind schon sehr konkret. Mit 150 bis 200 Mädchen möchten sie bereits im Frühjahr 2019 das Pilotprojekt beginnen. Dazu wird ein erstes Gebäude errichtet, welches in etwa fünf Monaten bezugsfertig sein soll. Doch zunächst muss das der Schwesternschaft überlassene Grundstück eingezäunt, ein Brunnen gebohrt und für Strom gesorgt werden.

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Bereits am 5. November haben die Marienschwestern ein erstes Angebot für Frauen aus der Nachbarschaft eingerichtet. Neben Englischunterricht stehen auch zehn Nähmaschinen bereit, damit die Frauen einen Schneiderkurs machen können. Doch die Armut überrascht selbst die Marienschwestern. So schreibt Schwester Elena: "Wir haben gemerkt, dass die Frauen mit leerem Magen zu uns kommen. Und so bieten wir ihnen ein kleines Frühstück und ein einfaches Mittagessen an."


Guatemala - nach dem Vulkanausbruch
Am 6. Juni 2018 bestätigte Schwester Zeny aus Guatemala, dass es nach dem Vulkanausbruch keine Verletzten unter den Schützlingen, keine Schäden an den Schulgebäuden gegeben habe. Einzig ein starker Ascheregen habe die beiden Einrichtungen getroffen.
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